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Schuldenuhren der Welt verkünden den Finanzkollaps

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von Sociobilly am 30. Dezember 2012


Die US-Dollar-Schuldenuhr tickt wie eine Zeitbombe

Es gibt praktisch keinen Staat mehr auf diesem Planeten, der nicht hoch verschuldet wäre. Staatsverschuldung zeugt – zumindest noch nach alter Schule – grundsätzlich von Missmanagement. Entweder lebt ein Saat über seine Verhältnisse oder er zieht die Steuern falsch ein (d.h. er nimmt zu wenig ein oder er tut dies bei den Falschen, wo es ohnehin nicht genug zu holen gibt). In der Regel ist beides der Fall. Es bleibt einem Staat auch gar nichts anderes übrig, als sich ständig weiter zu verschulden, wenn er die Wirtschaft des Landes nicht kollabieren lassen will. Wo die Privatwirtschaft den Zwang zu einem exponentiellen Wirtschaftswachstum nicht befriedigen kann, springt der Staat in die Bresche und hilft mit „Wirtschaftsförderungs-Programmen“ und „Konjunkturstützungs-Massnahmen“ nach, um das Schneeballsystem am Laufen zu halten. Rein mathematisch ist es gar nicht möglich, die Staatsschulden zu reduzieren oder gar jemals ganz abzutragen, ohne der Wirtschaft (und dazu gehört auch jeder einzelne Konsument) derart hohe Steuern aufzubürden, dass diese zum erliegen kommt. Deshalb begnügt man sich damit, wenigstens den Neuzuwachs der Schulden (zumindest vordergründig) begrenzen zu wollen. Wie ungewohnt bescheiden sich doch die Politik gibt, wenn es um die Bekämpfung der Staatsverschuldung geht!

Die Wirtschaft kann nicht unendlich exponentiell wachsen. Sogar wenn alle am Wohlstand partizipieren würden (d.h. auch jene, die heute davon ausgeschlossen sind), kommt irgendwann der Punkt, an dem alle unsere materiellen Bedürfnisse gesättigt sind. Mehr als zwei Autos, zwei Mobiltelefone, drei Computer, zehn Anzüge und ein Dutzend Paar Schuhe kann niemand sinnvoll gebrauchen, und die notwendigen Ersatzbeschaffungen decken nur einen kleinen Teil des Wachstumsbedarfs ab. Der Wachstumsbedarf wird also nicht von der Nachfrageseite sondern von der Angebotsseite diktiert, aber die Nachfrage kann da nicht mithalten. Es braucht Wirtschaftswachstum, nicht nur um damit die Zinsen für die aktuellen Schulden zu begleichen, sondern vor allem damit die neu geschaffenen Güter als Sicherheit für neue Schulden dienen können, weil Geld nur durch Verschuldung entsteht. So funktioniert nun mal unser zinspflichtiges Schuldgeldsystem.

Dollar-SymbolDie USA haben ihre Obergrenze für die Staatsschulden erst im August 2011 von 14.3 auf 16.4 Billionen (16.4 · 1012) US-Dollar heraufgesetzt (nachdem diese schon im Februar 2010 um 1.9 Billionen erhöht wurde), um etwas mehr Zeit und Luft zu haben, die Probleme zu lösen. Die letzte Anhebung wurde aber an automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen gekoppelt für den Fall, dass die neue Schuldenobergrenze erreicht wird → Fiskalklippe („Fiscal Cliff“). Gelöst wurde seither gar nichts. Die Verschuldung sowohl der öffentlichen Hand als auch der Unternehmen und der privaten Haushalte hat rapide zugenommen. Bereits mehr als jeder sechste US-Bürger ist auf Lebensmittelmarken angewiesen und würde ohne diese nicht überleben. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden und dies obwohl die Geldmenge im gleichen Mass wie die Verschuldung gewachsen ist und die Geldumlaufgeschwindigkeit (auch dank der elektronischen Transfermöglichkeiten in Echtzeit) weiter zugenommen hat.

Der US-Dollar ist am Ende und als internationale Leit- und Reservewährung nicht mehr tragbar (sofern er dies überhaupt jemals war). Das hat übrigens bereits Charles de Gaulle im Jahre 1965 festgestellt, wie im Artikel „Ist der Dollar am Ende?“ in der NZZ vom 20. Juni 2004 nachzulesen ist. Der internationale Handel mit den wichtigsten Gütern wird hauptsächlich in US-Dollar abgewickelt und zahlreiche Länder (allen voran China, Japan, Malaysia und Thailand) halten US-Dollars als Devisenreserven. Deshalb ist der US-Dollar ein Mittel, mit dem die USA bei anderen Volkswirtschaften praktisch unbegrenzt und kostenlos Kredite aufnehmen können, um ihr Aussenhandelsbilanzdefizit zu finanzieren. Für den Fall, dass diese nicht mehr mitspielen wollen, hat die FED bereits angekündigt, unbegrenzt US-Staatsanleihen zu kaufen. Eine noch deutlichere Bankrotterklärung kann eine Zentralbank nicht abgeben. Trotzdem machen alle munter weiter, bis der finale Kollaps unübersehbar wird und ihn auch der Letzte am eigenen Leib spürt.

Schuldenuhr DeutschlandDeutschland ist wie eigentlich auch alle anderen Europäischen Staaten schon eine ganze Weile bankrott. Nur will das niemand wahrhaben. Portugal, Spanien, Frankreich und Italien sind allerdings noch schlimmer dran und Griechenland als Wiege der Demokratie ist bereits von der internationalen Finanzmafia auf unfreundliche Art und Weise übernommen worden. Die Arbeiter in den Niedrigstlohnklassen werden immer zahlreicher und viele Städte und Kommunen stehen bereits unter Zwangsverwaltung oder werden dies demnächst sein. Da nützt es auch nichts, wenn der Armutsbericht schöngefärbt wird, um soziale Unruhen zu vermeiden, wie sie in anderen Ländern bereits zur Tagesordnung gehören. Die Not ist vielerorts auf den Strassen schon sichtbar. Die Immobilienpreise sind (im Vergleich zu den Vorjahren) in den Keller gerutscht und immer mehr Geschäfte müssen Insolvenz anmelden und schliessen. Hochkonjunktur haben nur Gebrauchtwarenhändler und Billigstanbieter. Luxusgüter können sich immer weniger Menschen leisten. Armut hingegen wird für immer mehr Menschen zum Dauerzustand und zur „Normalität“. In Deutschland ist dies bereits für jeden siebten Bundesbürger der Fall. Wer nichts hat, dem wird auch nichts gegeben und er wird auch von der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Das Abrutschen in die Isolation ist vorprogrammiert. Die Chance, diesem Teufelskreis entrinnen zu können, ist gleich Null.

Zugleich steigt die Inflationsrate zunehmend, d.h. Geld verliert immer mehr an Wert. Wer sein Vermögen nicht in handfestem Realkapital angelegt hat, verliert schon bald auch noch sein letztes Hemd. Alle Bemühungen, die offizielle Inflationsrate zu manipulieren und zumindest auf dem Papier tiefer aussehen zu lassen, lassen sich allein schon durch einen Vergleich mit den Preisen für Edelmetalle entlarven. Das Schuldgeld kann die ihm zugedachten Funktionen Recheneinheit, Tauschmittel und Wertaufbewahrung immer schlechter erfüllen. Die stetige Ausweitung der Geldmenge, nicht zuletzt durch den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM), wird in absehbarer Zeit zu einer Hyperinflation beim Euro führen. Diese wird wegen der fehlenden internationalen Stützung des Euros im Gegensatz zum US-Dollar den Euro noch vor dem US-Dollar zu Fall bringen.

Schuldenuhr SchweizMan würde meinen, die Schweiz würde bei der Staatsverschuldung einen der hinteren Ränge belegen. Doch, weit gefehlt! Unsere Pro-Kopf-Verschuldung der öffentlichen Hand ist etwa gleich hoch wie die von Deutschland. Nur hat sich unser Exportüberschuss im letzten Jahr verdoppelt, während sich jener von Deutschland halbiert hat. Dies ist vor allem dem Exportwachstum in den Branchen Chemie, Pharma, Präzisionsinstrumente, Uhren und Schmuck sowie steigenden Erträgen auf Auslandsinvestitionen zu verdanken. Dennoch sind wir durch unsere Handelsbeziehungen und die damit verbundenen Abhängigkeiten stark von den Entwicklungen in diesen Währungs- und Wirtschaftsräumen abhängig. Die Verschuldung der Schweizer Nationalbank in Fremdwährungen zur Beschränkung der Aufwertung des Schweizer Frankens tut ein Zusätzliches hinzu. Auch wenn uns die Finanzpest etwas später als unsere Nachbarn ereilen wird, verschonen wird sie uns nicht.

Angesichts der zu erwartenden Entwicklung der Weltwirtschaft wirken Werbefilme wie die der BKM Bausparkasse Mainz schon fast als Parodie und dies nicht nur wegen dem Blondchen mit den intelligenten Fragen:


BKM Bausparkasse Mainz: Geldanlage – Sicher anlegen

Die Welt ist am 21.12.2012 nicht untergegangen und so schnell wird sie auch nicht untergehen. Doch was uns in naher Zukunft blüht, kommt dem schon sehr nahe. Das 21. Jahrhundert wird als ein dunkles Zeitalter in die Geschichte eingehen, viel dunkler als das dunkle Mittelalter. Doch trotz der Finanzpest ist nicht Endzeitstimmung angesagt. Der Kollaps unseres Finanz- und Wirtschaftssystems wird nicht das Ende der Welt sein. Er wird vielmehr in eine Übergangsphase führen, die zwar viel Leid verursachen wird, die wir aber alle mitgestalten können, wenn wir darauf vorbereitet sind. Kein Anlass zur Verzweiflung also. Wir brauchen eine Renaissance der Finanz- und Wirtschaftswissenschaften, die uns aus unserer Paradigma-Paralyse befreit. Wir brauchen keine Finanz-Esoteriker und keine Vodoo-Priester aus den bisherigen Gehirnwaschanstalten, die uns eine auf satanische Gier gebaute Wirtschaftsreligion verkünden. Wir brauchen visionäre Realisten mit einem gesunden Wertesystem, die ein funktionierendes Wirtschaftssystem zu bauen in der Lage sind und gewillt sind, daran mitzuarbeiten.


Das neue dunkle Zeitalter

Die Geschichte wiederholt sich immer wieder auf’s Neue und auch die aktuellen Ereignisse zwischen Mittelmeer und Pakistan sind eng mit der Finanzpest verknüpft. Und immer geht es darum, die Gier einer kleinen Minderheit zu befriedigen. Der Kollaps muss daher sogar kommen, damit die Finanzpest überwunden werden und danach Neues entstehen kann. Nur darf dies nicht die neue Weltordnung nach den Vorstellungen von George Bush sen., Henry Kissinger, David Rockefeller, Wolfgang Schäuble oder Evelyn Rothschild sein.



3 Kommentare

  1. Kommentar von Stefan Wehmeier
    Montag, 16. September 2013; 23:16

    Es wäre Zeitverschwendung, die zahlreichen Falschaussagen und Denkfehler im obigen Artikel zu berichtigen. Wer die Welt verstehen will, muss zuerst den Zins verstehen:

    Der Zins – Mythos und Wahrheit

  2. Kommentar von Sociobilly
    Mittwoch, 18. September 2013; 01:40

    „Zahlreiche Falschaussagen und Denkfehler“ ist jetzt aber eine wenig fundierte, pauschallapidare Behauptung und Anschuldigung, die ich so nicht im Raum stehen lassen kann. Bitte erläutern!

    Ich habe in diesem Beitrag lediglich den Exportüberschuss durch die länderübergreifende Kreditvergabe und den damit verbundenen Zinsfluss zu den Geldexport- d.h. Schuldenexportstaaten nicht eingehender erläutert. Aber das sollte jedem, der die Beitragsreihe „Unser Geld- und Wirtschaftssystem hat einen Konstruktionsfehler“ vollständig gelesen hat, eigentlich eh schon klar sein.

  3. Kommentar von Stefan Wehmeier
    Samstag, 21. September 2013; 15:27

    „Geld darf nicht mehr durch Verschuldung entstehen sondern nur durch Leistung und das Zinsverbot, das Jahrhunderte lang Gültigkeit hatte, muss wieder eingeführt werden.“

    Geld entsteht nicht durch Verschuldung und der Urzins lässt sich nicht verbieten.

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll