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Vom Denken in Problemen und Lösungen

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von Sociobilly am 18. Juli 2014

Igel mit Problem

Unser menschliches Dasein wird hauptsächlich geprägt durch unser Denken und unsere Kommunikation darüber. Die Fähigkeit, Dinge und Ereignisse in eine abzählbar endliche und somit überschaubare Menge von Kausalzusammenhängen einzuordnen, und uns darüber auszutauschen, hat uns den Zugang zu Erkenntnissen ermöglicht, die wir in der heute üblichen Systematik als Wissenschaften bezeichnen. Der moderne Mensch denkt hauptsächlich in Problemen und Lösungen. Diese Denkweise hat uns erst den aktuellen Stand der Technologisierung ermöglicht, doch sie hat auch ihre Tücken.

Im Rahmen meiner Beiträge zu den Konstruktionsfehlern unseres zinspflichtigen Schuldgeldsystems habe ich gezeigt, wie die vorherrschende Paradigma-Paralyse uns daran hindert, die eigentlichen Ursachen der sicher immer mehr zuspitzenden globalen Finanz-und Wirtschaftskrise zu erkennen und eine Lösung für dieses Problem zu erarbeiten. Die Lösung liegt ausserhalb des dem Problem zu Grunde liegenden Systems, weil dieses zu eng definiert wird, und wird daher von der Mehrheit der Ökonomen als esoterisch wenn nicht sogar als ketzerisch und unwissenschaftlich wahrgenommen, obschon sie eigentlich auf der Hand liegt. Es bedarf eines immensen intellektuellen Kraftaktes, die Grenzen des aktuellen Denksystems zu überwinden. Das liegt an der menschlichen Natur, die uns unser Weltbild auf mehr oder weniger „wissenschaftlich“ gesicherten und anerkannten Erkenntnissen aufbauen lässt und Lösungen ausserhalb dessen als Phantastereien und Hirngespinste klassiert. Wir können nur das erkennen, wofür wir ein Erkennungsmuster besitzen, welches wir uns im Rahmen unseres Lern- und Entwicklungsprozesses erarbeitet haben oder das uns gelehrt wurde. In dieser Hinsicht funktionieren wir wie Computer und diese funktionieren so, weil wir es ihnen so beigebracht haben. Obwohl wir es eigentlich sehen (sollten), erkennen wir etwas nicht. Es bleibt für uns ein Teil des Okkulten. Unsere Erkenntnisfähigkeit ist limitiert und damit auch unsere Problemlösungsfähigkeit.

Ebenso suchen wir auf der anderen Seite nach Lösungen, derer es eigentlich gar nicht bedarf, weil wir Sachverhalte als Probleme und somit als lösungsbedürftig einstufen, nur weil sie eines unserer Erkennungsmuster aktiviert haben. Dabei kann es durchaus auch vorkommen, dass wir auf einen aus logischer Sicht identischen Sachverhalt auf Grund unterschiedlicher Begleitfaktoren völlig unterschiedlich reagieren. Das Ganze ist eigentlich ein Programmfehler und diesen haben wir selber programmiert. Wird jemandem eine solche Programmierung von aussen aufgezwungen, sprechen wir von Gehirnwäsche. Doch am liebsten verpassen wir uns diese selber und verhindern damit oft, glücklich zu werden. Dies fasst der Volksmund in „Jeder ist seines Glückes Schmied“ vereinfacht zusammen.

Von unserem Dilemma mit dem Problem und seiner Lösung handelt auch der Vortrag „Wenn die Lösung das Problem ist“ des berühmten, 2007 verstorbenen Psychoanalytikers und -therapeuten Paul Watzlawick, von dem viele „Man kann nicht nicht kommunizieren“ als Axiom seiner Kommunikationstheorie kennen dürften. Obwohl die folgende Aufnahme aus dem Jahre Jahre 1987 stammt, so haben Watzlawicks Worte kein bisschen an Aktualität eingebüsst.


Paul Watzlawick: Wenn die Lösung das Problem ist



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